In Deutschland erreicht dich eine amtliche Warnung auf zwei Wegen: als Cell-Broadcast-Nachricht, die ohne App auf jedem empfangsbereiten Handy in der betroffenen Funkzelle erscheint, und als Push-Meldung der Warn-App NINA. Der erste Weg braucht das Mobilfunknetz, der zweite eine Internetverbindung. Ist das Handy aus oder im Flugmodus, kommt keine Cell-Broadcast-Warnung an. Fällt das Netz ganz aus, bleiben dir noch Sirenen und Radio.

Hier steht, wie du beide Wege auf iPhone und Android prüfst, was der Warntag dir zeigt und warum ein Batterieradio nicht überholt ist. Österreich und die Schweiz haben je einen kurzen Abschnitt. Bei Gefahr rufst du die 112. Was hier steht, ist Hintergrund und ersetzt keine Anweisung der Behörden vor Ort.

So funktioniert Cell Broadcast

Das BBK beschreibt Cell Broadcast als Mobilfunkdienst, der Warnnachrichten direkt und anonym aufs Handy schickt. Jedes Gerät meldet sich automatisch in einer Funkzelle an. Der zentrale Verteiler der Zelle kann dann in umgekehrter Richtung eine Meldung an alle angemeldeten Geräte senden. Niemand muss sich vorher registrieren, und der Absender erfährt keine Handynummer. Der Dienst läuft in Deutschland seit dem 23. Februar 2023.

Die Technik dahinter hat die Bundesnetzagentur im Februar 2022 mit der Technischen Richtlinie DE-Alert geregelt. Die Warnungen selbst kommen aus dem Modularen Warnsystem des Bundes (MoWaS), das das BBK verwaltet. Zugang haben ausschließlich Behörden von Bund, Ländern und Kommunen. In der Nachricht steht der Absender, und sie verweist auf das Bundeswarnportal (warnung.bund.de), wo du sie gegenprüfen kannst.

Die Meldung ist reiner Text und höchstens 500 Zeichen lang. Bilder und Karten gibt es nicht. Wer mehr wissen will, folgt dem Link oder schaut in NINA und ins lokale Radio. Dafür kommt sie durch, wenn Telefonleitungen überlastet sind: Selbst wenn in einer Funkzelle wegen Überbuchung kein Anruf mehr möglich ist, bleibt die Übertragung der Warnung davon unberührt. Voraussetzung ist eine funktionierende Funkzelle. Eine SMS müsste dagegen jedes Gerät einzeln anwählen, was nach Angaben des BBK zum „Silvestereffekt“ führt, einem massiven zeitlichen Verzug zwischen Versand und Empfang.

Cell Broadcast auf iPhone und Android prüfen

Bei neueren Geräten ist die Funktion von Haus aus an. Die Telekom schreibt, die Aktivierung sei bei aktuellen Geräten voreingestellt, und Samsung liefert Galaxy-Smartphones ab Android 11 mit eingeschalteten Warnungen aus. Du prüfst also eher, ob jemand sie abgeschaltet hat oder ob dein System zu alt ist. Das BBK nennt drei Voraussetzungen: ein Update auf Android 11 oder iOS 16.1 oder neuer, ein eingeschaltetes Handy und kein Flugmodus.

Auf dem iPhone:

  1. Öffne die Einstellungen und tippe auf „Mitteilungen“.
  2. Scrolle ganz nach unten.
  3. Schalte unter „Offizielle Warnmeldungen“ die Warnarten ein, die du erhalten willst.

So beschreibt es Apple, und dort steht auch, dass offizielle Warnmeldungen standardmäßig aktiviert sind. Der Name ist nicht überall derselbe: In der Anleitung der Telekom heißt der Bereich „Cell Broadcast-Warnungen“.

Bei Android sitzt der Schalter je nach Hersteller an anderer Stelle:

  • Google beschreibt den Weg über Einstellungen, Benachrichtigungen, „Notfallbenachrichtigungen für Mobilgeräte“.
  • Samsung führt über Einstellungen, „Sicherheit und Notfall“, „Notfallwarnungen“.
  • Die Telekom nennt zusätzlich die erweiterten Einstellungen der Nachrichten-App.

Findest du nichts, such in den Einstellungen nach „Cell Broadcast“, „Warnmeldung“ oder „Notfallbenachrichtigungen“, wie es die Telekom empfiehlt.

Die höchste Warnstufe lässt sich nicht abschalten. Die Stufen 2 und 3 kann ein Gerät dagegen unterdrücken, das hängt vom Hersteller ab. Das BBK rät, auch Stufe 3 eingeschaltet zu lassen. Die Entwarnung geht nämlich seit dem 25. November 2025 über diese niedrigste Stufe raus, damit die Geräuschbelastung sinkt. Auf der Hauptseite des BBK steht allerdings noch, aktuell werde keine Entwarnung versendet. Die Unterseite zur Entwarnung nennt das Datum, und die Telekom bestätigt es.

Eine eingegangene Meldung findest du auf Android später im Archiv, sobald du sie quittiert hast. Auf dem iPhone gibt es laut BBK kein Archiv. Dort hilft ein Screenshot.

Was NINA zusätzlich leistet

NINA steht für Notfall-Informations- und Nachrichten-App und kommt vom BBK. Sie zeigt Warnungen des Bevölkerungsschutzes, seit Juli 2025 auch Meldungen der Polizei, dazu Wetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes und Hochwasserinformationen. Anders als bei Cell Broadcast legst du selbst fest, wofür du gewarnt werden willst. Du abonnierst Landkreise, Gemeinden oder Umkreise von einem oder neun Quadratkilometer um einen frei wählbaren Ort. Ohne Abo kommt laut BBK keine Warnung, und es empfiehlt Wohnort sowie Arbeits- oder Ausbildungsort.

Wer an einer Kreisgrenze wohnt, abonniert am besten beide Seiten. Das BBK weist selbst darauf hin, dass ein Landkreis warnen kann, während der Nachbarkreis es nicht tut.

Cell BroadcastWarn-App NINA
Einrichtungkeine App, das Betriebssystem verarbeitet die NachrichtApp installieren, Orte abonnieren
Verbindungfunktionierende FunkzelleInternetverbindung (mobile Daten oder WLAN)
Umfangnur Text, höchstens 500 Zeichenlängere Texte und Vorsorgetipps
WeckeffektTon, Anzeige und Vibration zusammengeringer als bei Cell Broadcast

Das BBK empfiehlt deshalb weiterhin, die App zu installieren, wenn es geht. Damit ihre Meldungen auch ankommen, nennt es für iOS einige Einstellungen: eine gute Internetverbindung, deaktivierter Stromsparmodus, erlaubte Mitteilungen samt „Kritischer Hinweis“ und die Warnstufe „Gefahreninformation“ als niedrigste Schwelle. Die App selbst verbrauche kaum Strom.

Der Warntag

Der Bundesweite Warntag findet in der Regel am zweiten Donnerstag im September statt. Der letzte war am 10. September 2026: Gegen 11 Uhr ging die Probewarnung hinaus, gegen 11:45 Uhr die Entwarnung. Der nächste ist für den 9. September 2027 angesetzt, laut Bundesregierung um 11:00 Uhr. Die Probewarnung läuft über das MoWaS an Rundfunk, App-Server und die anderen angeschlossenen Kanäle.

Vorbereiten musst du dich nicht, sagt das BBK. Die Kommunen machen freiwillig mit, ob bei dir eine Sirene heult, hängt also vom Ort ab. Hat dein Handy geschwiegen, nennt die Bundesregierung diese Gründe: Bei Cell Broadcast muss das Gerät an sein, ein aktuelles Betriebssystem haben und darf nicht im Flugmodus sein. Bei NINA muss die App installiert und ein Ort abonniert sein, und das Handy sollte nicht stummgeschaltet sein. Manche Geräte sind schlicht zu alt.

Bei den Testwarnungen widersprechen sich zwei Anbieter. Samsung schreibt, Testwarnungen für den Warntag seien standardmäßig deaktiviert und müssten von Hand eingeschaltet werden. Die Telekom sagt, Warnungen eines Probewarntags von Bund und Ländern lasse man sich nicht abstellen, weil sie in der Regel die höchste Warnstufe nutzen. Wer sichergehen will, schaut vor dem nächsten Warntag in die Einstellungen seines Geräts.

Was ankommt: Handy aus, Flugmodus, kein Netz

Die amtlichen Aussagen zu Cell Broadcast lassen sich in einer Tabelle nebeneinanderlegen.

SituationKommt die Warnung an?Quelle
Handy ausgeschaltetneinBBK
Flugmodusnein, eventuell eine spätere Meldung nach dem Ausschalten des FlugmodusTelekom
Funkloch oder gestörtes Mobilfunknetznein, es braucht eine funktionierende FunkzelleBBK
Lautlos, „Nicht stören“ oder zusätzlich im WLANjaTelekom
Telefonleitungen überlastetjaBBK

Bei NINA zählt die Internetverbindung. Wenn Mobilfunknetz und Internet ausfallen, fallen laut BBK auch Warn-Apps und Handy-Warnungen aus. Das ist kein Randfall. Nach den Brandanschlägen auf die Strominfrastruktur im September 2025 und im Januar 2026 hielt der Berliner Senat im August 2026 fest, dass es besonders in den ersten Stunden Einschränkungen gab, Telefonverbindungen aufzunehmen oder amtliche Warnmeldungen zu empfangen.

Wenn das Netz fehlt: Radio und Sirenen

Deshalb setzt Deutschland auf einen Warnmittel-Mix. Fällt ein Kanal aus oder erreicht er jemanden nicht, gibt es laut Bundesregierung noch andere Wege, etwa Radio, Fernsehen oder Sirenen. Das BBK sagt es für den Stromausfall ganz direkt: Radiosender funktionieren auch dann noch, wenn Mobilfunknetz und Internet ausfallen. Auto-, Kurbel- und batteriebetriebene Radios brauchen keinen Strom aus der Steckdose.

Beim Kauf rät das BBK, auf den Umstieg von UKW auf DAB+ zu achten, der ab 2031 in Schleswig-Holstein beginnt und bis 2037 dauert. Ein Gerät, das beides empfängt, bleibt also länger nutzbar. Das BBK kündigte außerdem Radios mit „Aufwachmodus“ an, die sich bei einer Warnung selbst einschalten. Ob es sie inzwischen im Handel gibt, haben wir nicht geprüft. Wie lange Mobilfunkmasten bei Stromausfall weitersenden, nennt keine amtliche Quelle, die wir gelesen haben.

Was sonst noch in den Notfallrucksack gehört, steht im Ratgeber zur Packliste. Den Ablauf eines längeren Ausfalls beschreibt der Ratgeber zum Stromausfall.

Österreich: AT-Alert

Österreich arbeitet mit demselben Prinzip. Das Innenministerium beschreibt AT-Alert als Dienst, der rasch und anonym Meldungen an alle Mobiltelefone in ausgewählten Mobilfunkzellen verschickt, als Ergänzung zu rund 8.300 Zivilschutzsirenen. Der Unterschied zu Deutschland liegt in der Systemversion: Das Ministerium nennt neben Android 11 für iPhones die Version 17.4. Eingeschaltet ist AT-Alert automatisch, die höchste Stufe „Notfallalarm“ lässt sich nicht ausschalten. Auch hier gilt: Es hängt von einer funktionierenden Mobilfunkversorgung ab, und im Flugmodus kommt nichts an.

Beim bundesweiten Zivilschutz-Probealarm am 3. Oktober 2026 gab es zwischen 12:00 und 13:00 Uhr auch Testauslösungen von AT-Alert. Mehr zur Vorsorge steht im Ratgeber zur Blackout-Vorbereitung in Österreich.

Schweiz: Alertswiss

In der Schweiz ist Cell Broadcast noch im Aufbau. Das BABS teilte am 26. August 2026 mit, der Bundesrat wolle die Alarmierung per Mobiltelefon rasch einführen, und beantragt beim Parlament einen Verpflichtungskredit von 15,8 Millionen Franken. Bis dahin tragen Sirenen, Radiomeldungen sowie die Alertswiss-App und -Website die Warnung. Besonders dringliche Warnungen und alle Alarmierungen werden im Radio verlesen. Der jährliche Sirenentest findet am ersten Mittwoch im Februar statt.

Wo Waystone dazukommt

Wir bauen mit Waystone einen Offline-Assistenten für den Laptop. Er ist in Entwicklung und nicht erhältlich, und weil er ohne Internet läuft, zeigt er keine Live-Warnungen und ersetzt weder Cell Broadcast noch NINA noch das Radio. Wie zuverlässig ein solcher Assistent heute antwortet, steht in unserem Testbericht zur Offline-KI.